Die Leine: Unverzichtbar, aber nicht immer einfach!
Viele Hundebesitzer haben ein klares Bild vor Augen, wenn ein Welpe oder junger, unerfahrener Hund ins Haus kommt: lange, harmonische Spaziergänge – mal an der Leine, mal im Freilauf, immer in perfektem Einklang mit dem Menschen. Doch die Realität sieht oft anders aus. Viele Hunde mögen ihr Halsband oder Geschirr anfangs nicht, ziehen in alle Richtungen oder übernehmen direkt das Kommando nach dem Motto: „Ich ziehe, Mensch folgt.“ Damit die Leine nicht zur täglichen Herausforderung wird, sondern zu einem nützlichen Hilfsmittel für entspannte Spaziergänge, gibt es einige bewährte Methoden zur sanften und positiven Gewöhnung an die Leine.
Die richtige Leine wählen
Nicht jede Leine eignet sich gleichermaßen für das Training. Flexi-Leinen sind beispielsweise nicht ideal, da sie dem Hund beibringen, dass Ziehen zum Erfolg führt. Durch die permanente Spannung spürt der Hund seinen Menschen immer und lernt kaum, sich wirklich an ihm zu orientieren. Besser geeignet sind verstellbare Leinen, die sich je nach Situation anpassen lassen. Zu kurze Leinen können ebenfalls problematisch sein, da sie beim Losgehen oft sofort unter Spannung stehen und dem Hund wenig Spielraum geben. Eine mittellange, verstellbare Leine bietet daher die beste Kontrolle und ermöglicht gleichzeitig ein angenehmes Laufgefühl für den Hund.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahl des richtigen Karabiners. Bei kleinen Hunden sollte darauf geachtet werden, dass der Karabiner nicht zu groß und schwer ist, da er sonst unangenehm am Halsband oder Geschirr ziehen kann. Umgekehrt sollte bei großen, kräftigen Hunden ein stabiler und robuster Karabiner gewählt werden, um ein sicheres Handling zu gewährleisten.
Die Leine als positives Signal
Um die Leine mit positiven Erfahrungen zu verknüpfen, kann man sie zunächst in einem entspannten Umfeld anlegen – ohne sie direkt zu benutzen. Beispielsweise beim Füttern oder Kuscheln, sodass der Hund sie als etwas Alltägliches akzeptiert. Ein spielerischer Ansatz kann ebenfalls helfen: Der Hund wird mit einem Spielzeug motiviert, seinem Menschen zu folgen, während dieser die Leine für kurze Strecken aufnimmt. So verbindet er das Laufen an der Leine direkt mit einer angenehmen Aktivität. Diese Methode eignet sich auch hervorragend für Hunde, die bisher schlechte Erfahrungen mit der Leine gemacht haben.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Der Hund sollte beim Anlegen der Leine ruhig bleiben. Begeisterung ist in Ordnung, aber wenn der Vierbeiner schon beim Anblick der Leine vor Aufregung durch den Flur springt, wird der Spaziergang vermutlich stressig beginnen. Ruhige Interaktionen, etwa Streicheleinheiten bei angelegter Leine, helfen dabei, die Erregung auf einem angenehmen Level zu halten.
Die richtige Position: Der Hund bleibt im Hintergrund
Bereits während der ersten Übungen kann trainiert werden, dass der Hund sich an der Leine hinter oder neben seinem Menschen orientiert. Das verhindert nicht nur, dass er sich eine „Zuggewohnheit“ aneignet, sondern stärkt auch die Kontrolle und Sicherheit. Der Mensch übernimmt die Führung und entscheidet, ob eine Begegnung mit anderen Hunden oder Menschen erwünscht ist.
Eine einfache Übung für den Einstieg: Man stellt sich mit dem Hund zwischen zwei Hindernisse, z. B. parkende Autos oder Büsche, sodass eine Art „Tor“ entsteht. Der Hund darf nicht eigenständig aus diesem Tor heraustreten, sondern bleibt hinter seinem Menschen. Dies kann durch eine sanfte Blockade mit dem Bein oder einer vorsichtigen Handbewegung unterstützt werden. Anfangs sollte die Ablenkung minimal sein, kann aber nach und nach gesteigert werden – etwa indem eine andere Person von vorn mit Futter oder Spielzeug lockt. So lernt der Hund, sich an der Körpersprache seines Menschen zu orientieren.
Hörzeichen gezielt einsetzen
Oft hört man Hundehalter bereits in den ersten Tagen permanent „Fuß“ oder „bei Fuß“ rufen. Doch ein Hund muss diese Kommandos erst verstehen und richtig verknüpfen. Wenn er sie ständig hört, während er an der Leine zieht oder schnuppert, verbindet er sie womöglich mit dem falschen Verhalten. Stattdessen sollte das Hörzeichen erst gegeben werden, wenn der Hund bereits einige Meter korrekt neben seinem Menschen läuft – und natürlich direkt belohnt werden.
Hier ist auch der Unterschied zwischen Belohnung und Bestechung wichtig: Hält man dem Hund permanent ein Leckerli vor die Nase, folgt er eher dem Futter als dem Menschen. Gibt man ihm die Belohnung erst nach einer erfolgreich gemeisterten Sequenz, verstärkt man das gewünschte Verhalten nachhaltig.
Üben in ablenkungsarmer Umgebung
Ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Leinenführigkeit ist die Wahl der richtigen Trainingsumgebung. Die ersten Übungen sollten immer in einer möglichst ruhigen, ablenkungsarmen Umgebung stattfinden – beispielsweise im Wohnzimmer, im Garten oder auf einer wenig besuchten Wiese. Erst wenn der Hund die Grundlagen verstanden hat, kann die Ablenkung schrittweise gesteigert werden. Dazu kann man nach und nach in belebtere Gegenden wechseln oder gezielt kontrollierte Reize (wie spielende Kinder in der Ferne oder andere Hunde auf Abstand) hinzufügen. So bleibt der Hund konzentriert und lernt, auch unter Ablenkung an der Leine entspannt zu bleiben.
Wie kommt man mit einem jungen Hund trotzdem voran?
Viele Hundebesitzer fragen sich, wie sie mit einem Welpen Spaziergänge gestalten sollen, wenn er anfangs nicht an der Leine laufen soll. Hier einige Tipps:
- Tragen oder Transport nutzen: Gerade in der Anfangsphase kann es sinnvoll sein, den Welpen zu tragen oder mit dem Auto in eine ruhigere Umgebung zu fahren, um ihn nicht zu überfordern.
- Unterschiedliche Leinenführung etablieren: Eine kurze Leine (z. B. am Halsband) für konzentrierte Übungen und eine längere Leine (z. B. am Geschirr) für entspannte Erkundungsgänge helfen dem Hund, den Unterschied schnell zu verstehen.
- Den natürlichen Folgetrieb nutzen: In sicheren Umgebungen kann der Welpe frei laufen und wird sich automatisch an seinem Menschen orientieren. Spielerische Elemente wie Richtungswechsel, Tempowechsel oder kleine Versteckspiele verstärken diese Orientierung.
Auch für ältere Hunde, die das Leinenlaufen neu lernen, ist eine Unterscheidung zwischen konzentriertem Training an der kurzen Leine und lockerem Gehen an der langen Leine hilfreich.
Fazit: Mit Geduld und Spaß zur Leinenführigkeit
Die Leine ist ein unverzichtbares Hilfsmittel – doch sie sollte nicht mit Kampf oder Frust verbunden sein. Mit positiven Erfahrungen, klarer Führung und gezieltem Training kann jeder Hund lernen, entspannt und freudig an der Leine zu gehen. Also: Leinen anlegen und mit Spaß durchstarten – für harmonische Spaziergänge mit deinem Vierbeiner!